Engeo AG
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Engeo AG wurde 1999 gegründet, wie die eigene Startseite ausdrücklich festhält, und ist seither auf den Bau von oberflächennaher Geothermie spezialisiert. Der Betrieb gibt auf seiner Website mehrere Adressen in Arnegg und Aarau an: ein Büro an der Bächigenstrasse 18 in 9212 Arnegg, "Büro & Werkstatt" an der Stationsstrasse 15, ebenfalls 9212 Arnegg, und ein separates "Büro Software" an der Schachenallee 29 in 5000 Aarau. Arnegg liegt in der Gemeinde Gaiserwald im Kanton St. Gallen, und die Werkstatt dort, nicht das kleinere Softwarebüro in Aarau, ist der eigentliche Betriebssitz: Hier findet die eigene Fertigung statt, hier sitzt auch der grösste Teil des Teams. Auffällig für einen Betrieb mit dieser Geschichte: Die Website hat kein Impressum. Die Adressen /impressum, /agb und /datenschutz existieren auf engeo.ch schlicht nicht, sie antworten mit einem 404. Der Name "Engeo AG" taucht dafür auf jeder Seite identisch auf, im Titel, im Fliesstext, im Meta-Autorenfeld und im Kontaktformular, ohne dass irgendwo ein anderer Name oder eine Web-Agentur als Betreiberin auftaucht, weshalb der vom Zuteiler vorgegebene Name ohne Korrektur übernommen wird.
Vom Prüfgerätebau zum kompletten Anlagenbauer
Was Engeo von vielen anderen Betrieben in diesem Verzeichnis unterscheidet, ist der Ursprung im Gerätebau. Auf der Über-uns-Seite beschreibt sich die Firma so: "Wir entwickeln und verkaufen hochpräzise Messapparate zur Beurteilung und thermischen Charakterisierung von Erdsonden, entwickelt, gebaut und kontinuierlich weiterentwickelt bei uns in der Schweiz." Eigene Geräte stehen im Zentrum: der "H-EP PN40", ein "All-in-one"-Automat zur Prüfung von Erdwärmesonden nach der Norm SIA 384/6:2021, der laut Produktbeschrieb Hinterfüllung, Spülung, Durchfluss- und Differenzdruckprüfung sowie die Dichtheitsprüfung nach Anhang B2 in einem Gerät zusammenfasst, und das "SFDP", ein Automat für Füll- und Differenzdruckprüfungen des Solekreises, den es in einer Basisausführung fürs Spülen und Füllen sowie in einer Pro-Ausführung mit zusätzlicher hydraulischer Ausmessung gibt.
Aus diesem Messgeräte-Geschäft ist inzwischen ein Betrieb geworden, der ganze Erdwärmesonden-Anlagen selbst baut. Die eigene Portfolio-Seite formuliert das unmissverständlich: "Wir schliessen Erdwärmesonden an und bauen den kompletten Solekreis... Wir erstellen für sie individuelle Anlagesteuerungen und bieten ihnen das Komplettpaket an, in dem wir sie beraten und für sie optimierte Wärmepumpen-Heizungsanlagen bauen." Die Kontaktseite listet dazu eine ganz praktische Checkliste für Offertanfragen, in der nach der Anzahl bestehender Erdwärmesonden und deren Sondentiefe gefragt wird, ein Detail, das zeigt, wie technisch die Kundengespräche hier ablaufen. Zur Wärmepumpe selbst schreibt die Firma auf ihrer Seite zur EWS-Installation ausdrücklich: "Wir haben die Übersicht über die verschiedenen Hersteller und Produkte, sind jedoch herstellerunabhängig und können ihnen dank unserer Erfahrungen das geeignete Produkte empfehlen und zu guten Konditionen installieren." Engeo verkauft also keine eigene Wärmepumpen-Marke, sondern wählt und montiert je nach Projekt ein passendes Modell eines anderen Herstellers, zusätzlich zur eigentlichen Kernarbeit an der Erdsonde.
Was die Firma tatsächlich baut und misst
Das Kerngeschäft bleibt laut eigener Aussage der Sondenanschluss: "Das Hauptgeschäft der Firma Engeo AG ist das Anschliessen von Erdwärmesonden... Wir berechnen für Sie die nötige Sondenzahl und Tiefe. Dimensionieren die Wärmepumpe. Bieten das Bohrunternehmen auf und schliessen für Sie die Erdwärmesonde an die Wärmepumpe an." Die Bohrung selbst vergibt Engeo demnach an ein separates Bohrunternehmen, den elektrischen und hydraulischen Anschluss samt der Verrohrung des Solekreises übernimmt der Betrieb jedoch selbst, inklusive Berechnung von Rohrdimensionierung, Pumpen und Aktoren. Zur Funktionsweise erklärt die Seite: Im Heizbetrieb zirkuliert das Fluid durch die Sonde, die im Normalfall eine Tiefe von 100 bis 400 Metern erreicht; weil die Bodentemperatur in dieser Tiefe über das Jahr praktisch konstant bleibt, arbeite die Anlage unabhängig von der Aussentemperatur mit einem hohen Wirkungsgrad. Im Sommer lässt sich dasselbe System laut Website auch umgekehrt nutzen, zur passiven Kühlung über die Erdwärmesonde, ein Verfahren, das Engeo als Geo-Freecooling bezeichnet und bei dem die Kühlung durch die gleichzeitige Regeneration des Erdreichs sogar energiepositiv ausfallen könne.
Für die Qualitätssicherung nach dem Bau bietet Engeo mehrere spezialisierte Prüfungen an: einen Thermal Response Test (TRT) zur Bestimmung der Wärmeleitfähigkeit des Bodens, und, in Partnerschaft mit der Firma Geowatt AG, einen erweiterten Thermal Response Test (eTRT), der laut Website ein tiefenabhängiges Wärmeleitfähigkeitsprofil liefert und damit auch wasserführende Schichten lokalisieren kann. Für Dichtheitsprüfungen nutzt der Betrieb ein selbst entwickeltes Langzeit-Drucktest-Verfahren, das nach der sogenannten Minerschen Schadensregel auf die zu erwartende Lebensdauer der Sonde schliesst. Bei einer vermuteten Leckage kommen laut eigener Aussage Druckdatalogger, das hauseigene SFDP-Messgerät und eine Endoskopkamera mit Ortungssender zum Einsatz. Für das Bodentemperaturprofil, einen wichtigen Parameter für die Anlagenauslegung, verwendet Engeo eigene Messgeräte: den GEOsniff für Messungen bis 300 Meter Tiefe und den NIMO-T für Messungen bis maximal 1000 Meter.
Als Alternative zur klassischen Erdwärmesonde bietet die Firma auch Erdwärmekörbe an, die laut eigener Darstellung keine Bohrbewilligung benötigen und in Gewässerschutzzonen eingebaut werden dürfen, wo Sonden nicht zulässig sind. Dazu kommen Vorplatz- und Rampenheizungen, die ohne eigene Wärmepumpe direkt mit der Erdwärmesonde funktionieren und laut Website nach der Energievollzugsverordnung zulässig sind, anders als eine auf der Heizung basierende Schneefreihaltung.
Ein kleines Team mit vielen Rollen
Engeo beschreibt sich selbst als "kleines, engagiertes Team mit kurzen Entscheidungswegen und viel Eigenverantwortung". Die Geschäftsleitung besteht aus Ernst E. Rohner als CEO und Inhaber, diplomierter Maschineningenieur HTL, sowie den beiden Co-CTOs Carlos Rohner (Software, Berechnung und Entwicklung, diplomierter Ingenieur FH mit einem MSc Mechanical Engineering) und Markus Rohner (Operations, Verkauf, Entwicklung, BSc Mechanical Engineering). In Entwicklung und Produktion arbeiten unter anderem Remo Sutter als Senior Entwicklungsingenieur, Igor Fuhrimann als Produktionsleiter und Agim Nushi als Chef-Monteur für Installationen und Messtechnik, unterstützt von Bernard Nushi als Monteur. Administration und Marketing liegen bei Raquel Rohner, Andreas Löhlein, Rebekka Hocquart und Damaris Rohner. Auf ihrer eigenen Seite verweist die Firma zudem auf ihre Teilnahme an den Fachmessen Geotherm 2024 und Geotherm 2025, ohne weitere Details zu den Auftritten zu nennen.
Zur Bedeutung der Erdwärmesonde in der Schweiz zitiert Engeo auf ihrer EWS-Seite eine eigene Zahl und eine externe Quelle: "90% aller Geothermischen Systeme sind Erdwärmesonden", und weiter, unter Berufung auf eine Studie: "Die Schweiz hat die höchste Flächendichte von Geothermie-Anlagen (Anzahl Anlagen pro km2) weltweit (Lund et al., 2010)." Beide Aussagen werden hier als Engeos eigene, so zitierte Behauptungen wiedergegeben, nicht als unabhängig geprüfte Fakten.
Für wen sich Engeo eignet
Wer eine neue Erdwärmesonden-Anlage plant oder eine bestehende überprüfen lassen will, findet in Engeo AG einen Betrieb, der die Technik buchstäblich selbst entwickelt: von der Norm-Prüfung über die Verrohrung bis zur Wahl der passenden, herstellerunabhängigen Wärmepumpe. Wer dagegen ausschliesslich eine Luft-Wasser-Wärmepumpe ohne Erdsonde sucht, ist bei einem reinen Geothermie-Spezialisten wie diesem an der falschen Adresse, auch wenn Engeo laut eigener Aussage auch dafür ein passendes Modell empfehlen und installieren kann.