AEW Energie AG
Zum Bewerten auf einen Stern tippen
Der Impressum-Eintrag bestätigt den Firmennamen exakt: "Eingetragener Firmenname: AEW Energie AG", mit Kontaktadresse Postfach, 5001 Aarau. Das deckt sich mit dem Allocator-Feld, es war keine Korrektur nötig.
Was es ist
AEW Energie AG beschreibt sich selbst als Energiedienstleisterin im Kanton Aargau und den angrenzenden Kantonen und betreibt nach eigenen Angaben 77 Wärmeverbunde und Inselanlagen, mehrheitlich auf Basis erneuerbarer Energien, mit über 30 Jahren Erfahrung in diesem Geschäft. Wer hier landet, kauft keine Heizung: Die Website ist ausdrücklich als "Wärme beziehen" statt "Wärmepumpe kaufen" aufgebaut, und eines der eigenen Downloads trägt den Titel "Wärmecontracting: Was Liegenschaftsbesitzer wissen sollten". AEW baut, finanziert und betreibt die Wärmezentrale und das Verteilnetz selbst und verkauft dem Kunden am Ende die gelieferte Kilowattstunde Wärme, nicht das Blech im Keller.
Das Leistungsversprechen ist auf der eigenen Seite so aufgelistet: Entwicklung, Planung, Bau, Betrieb und Unterhalt der Versorgungsanlagen; Finanzierung der Versorgungsanlagen; Übernahme der Bau- und Betriebsrisiken; langfristiger und optimierter Betrieb der Anlage durch eigenes Fachpersonal. Als Kundennutzen nennt AEW: nachhaltig und energieeffizient produzierte erneuerbare Energie, Einhaltung der Vorgaben aus Energiegesetz und Energielabeln, keinen eigenen Planungs- und Ausführungsaufwand für die Wärmeerzeugung, garantierte Betriebs- und Versorgungssicherheit, keine Kosten für Erstellung und Amortisation der Anlage, einfach budgetierbare und stabile Energiekosten sowie lokale Wertschöpfung. Das ist die Definition eines Contracting-Modells: Der Liegenschaftsbesitzer bezahlt für gelieferte Wärme über einen Liefervertrag, das Investitions- und Betriebsrisiko der Anlage trägt AEW.
Wie die Wärme entsteht
AEW nennt als Quellen Abwärme, Umweltwärme (Erde, Luft, Grundwasser oder Oberflächenwasser) und Biomasse (Altholz, naturbelassene Hackschnitzel oder Pellets), genutzt direkt, über Wärmepumpen oder über Biomassefeuerungen. Nach eigenen Angaben erzeugt AEW so jährlich über 200 Millionen Kilowattstunden Energie und vermeidet dabei über 55'000 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr. Die einzelnen Referenzanlagen zeigen, wie unterschiedlich die Wärmequelle je nach Standort ausfällt: Seewasser in Uetikon am See und in Horgen, Abwasser-Abwärme in Rheinfelden Augarten/Weiherfeld, Brauerei-Abwärme in Rheinfelden Mitte, regionale Hackschnitzel in Bad Zurzach, Mägenwil und Bremgarten, Restholz des Forstbetriebs Reusstal in Niederrohrdorf.
Bestehende Wärmeverbunde: eine Auswahl
In Bad Zurzach betreibt AEW einen der grössten Wärmeverbunde im Kanton Aargau, CO2-neutral mit Hackschnitzeln aus der Region beheizt; die eigene Formulierung nennt Fernwärme hier ein "rundumsorglos-Paket", bei dem sich der Kunde weder um Wartung und Unterhalt noch um die Beschaffung des Brennstoffs kümmern muss, genau das Argument, das ein Contracting-Modell von einer selbst betriebenen Heizung unterscheidet.
In Rheinfelden wurden Anfang 2021 die beiden Netze Rheinfelden Ost und Rheinfelden Engerfeld zum Wärmeverbund Rheinfelden Rüchi zusammengelegt, mit einer neuen grossen Hackschnitzelzentrale und den bestehenden Erzeugern auf dem Areal der Schweizer Salinen. Der ältere Wärmeverbund Rheinfelden Mitte läuft schon seit 2014 mit Abwärme aus einer Bierbrauerei, und Rheinfelden Augarten/Weiherfeld heizt mit Abwärme der städtischen Abwasserreinigungsanlage 2 Wohngebiete, die laut AEW knapp einen Drittel der Rheinfelder Bevölkerung beherbergen.
In Uetikon am See liefert AEW seit Sommer 2020 Wärme und Kälte aus kaltem Seewasser und versorgt damit nach eigenen Angaben beinahe alle öffentlichen Gebäude der Gemeinde, das "Haus Wäckerling" sowie weitere private Kunden. In Horgen profitieren nach Angaben der Website 131 Haushalte sowie verschiedene Gewerbetreibende von einer ähnlichen Seewasser-Lösung am Standort Promenade.
Für die Arealüberbauung LUWA in Muri, ein früheres Werk für Lüftungssysteme und Apparate, erhielt AEW im August 2016 den Zuschlag für die Wärme- und Kälteversorgung, mit der vom Investor gestellten Auflage, die Energie zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. In Mägenwil versorgt ein mit regionalen Hackschnitzeln beheizter Wärmeverbund Industrie- und Gemeindeliegenschaften. In Niederrohrdorf beliefert AEW seit 2015 das Egro-Areal und angrenzende Gebiete, das Holz stammt vom Forstbetrieb Reusstal. Bei der Meyer Orchideen AG (Meyer Pflanzenkulturen AG) werden die Gewächshäuser beheizt, mit nach eigenen Angaben über 1'750 Tonnen eingesparten CO2-Emissionen pro Jahr. In Ammerswil wurde der 1994 gebaute Wärmeverbund Moos/Kamm erneuert, die bisherige Wärmeerzeugung durch eine Pelletfeuerung ersetzt. Und in Bremgarten realisierte AEW zwischen 2008 und 2011 den seinerzeit grössten Wärmeverbund im Kanton, 2019 kam wegen der Nachfrage eine zweite Heizzentrale im Gebiet Oberebni dazu.
Was aktuell im Bau ist
Für den Wärmeverbund Mutschellen plant AEW auf dem Werkareal der Sika Schweiz AG in Widen eine Heizzentrale, die Wärme vor allem aus regional gewachsenem Holz gewinnt und per Fernwärmenetz nach Widen, Berikon und Rudolfstetten-Friedlisberg verteilt; die Baugesuche für Zentrale und Netz sind eingereicht, Baubeginn nach Erteilung der Bewilligung war für das vierte Quartal 2025 vorgesehen. Ansprechpartner für dieses Projekt sind Daniele Cacciatore, Leiter Projektentwicklung & Akquisition Wärme, und Stefan Fischer, Projektleiter Wärme.
Grösser angelegt ist WAIREMO, die "Wärme-Innovation Rheinfelden & Möhlin", ein gemeinsames Projekt von AEW mit der Stadt Rheinfelden und der Gemeinde Möhlin. Eine neue Wärmezentrale auf dem Areal der Saline Riburg der Schweizer Salinen AG soll Rheinfelden und Möhlin künftig CO2-frei mit Wärme versorgen, mit Wärmepumpen, die Abwärme aus der Salzherstellung sowie Grundwasser nutzen, verteilt über ein Fernwärmenetz für Raumheizung, Warmwasser und Prozesswärme. Das Projekt ist zweistufig geplant: Grundausbau bis 2029, Endausbau bis 2033, mit einer im Endausbau geplanten Jahresproduktion von rund 50 Gigawattstunden Wärme, was laut AEW dem Verbrauch von rund 3'500 Haushalten entspricht. Die erste Wärmelieferung ist für den Winter 2027/28 vorgesehen.
Beim Wärmeverbund Augst entsteht auf dem Areal des Wasserkraftwerks eine neue, vollständig erneuerbar betriebene Heizzentrale, die vor allem Abwärme der Kraftwerksgeneratoren nutzt, ergänzt durch Rheinwasser, verteilt über ein rund 1,3 Kilometer langes Fernwärmenetz. Die Anlage ersetzt laut AEW die bisherige Contracting-Anlage in Pratteln, die zuvor mit Holzpellets und Öl betrieben wurde, und soll über eine thermische Leistung von 2 Megawatt verfügen sowie im Endausbau jährlich rund 4'400 Megawattstunden Wärme liefern; 3 Wärmespeicher mit je 16'000 Litern Volumen sollen Verbrauchsspitzen abfangen. Inbetriebnahme und erste Wärmelieferung waren für die Heizperiode 2025/26 geplant, das Projekt leitet Peter Aston.
Der bestehende Wärmeverbund Kaiseraugst, der mit regionalen Hackschnitzeln und Altholz eines benachbarten Recyclingbetriebs beheizt wird, versorgt nach AEW-Angaben seit 2021 Haushalte, Industrie- und Gewerbebetriebe; heute profitieren über 1'500 Haushalte und diverse Unternehmen davon. Im Ausbauprojekt "Ast Dorf" begannen am 4. November 2024 die Bauarbeiten für 2 zusätzliche Nebenstränge im Bereich Lindenweg sowie zwischen Dorfstrasse und Heidemurweg, die übrigen Arbeiten am Hauptstrang entlang Dorfstrasse und Lindenweg sollten im Januar 2025 beginnen. Im Endausbau sollen bis zu 1'700 Haushalte versorgt werden, was laut AEW einer jährlichen Einsparung von rund 3 Millionen Litern Heizöl beziehungsweise etwa 8'100 Tonnen CO2 entspricht.
Wo ein Anschluss möglich ist
AEW listet selbst Gemeinden, in denen ein Anschluss an einen bestehenden Wärmeverbund grundsätzlich möglich ist, darunter Augst, Bad Zurzach, Bremgarten, Kaiseraugst, Möhlin, Muri, Mutschellen, Rheinfelden, Uetikon am See, Villmergen und Zell, neben weiteren auf der Website genannten Orten. Wer nicht in einem versorgten Gebiet liegt, wird laut Website trotzdem geprüft: Bei grösserem Bedarf und ohne Anschlussmöglichkeit untersucht AEW die Verfügbarkeit erneuerbarer Energieträger vor Ort und erarbeitet ein eigenes Versorgungskonzept.
Was es kostet
Eine konkrete Tarifzahl veröffentlicht AEW auf diesen Seiten nicht. Verfügbar sind stattdessen die "AGBs für den Bezug und die Lieferung von thermischer Energie" als Download sowie eine separate "Erklärung Wärmerechnung", die die Abrechnung erläutert, ohne dass Zahlen daraus auf der besuchten Seite auftauchen. Wer Zahlen zum eigenen Fall braucht, muss also den Kontakt suchen oder die Unterlagen selbst laden, die Website verspricht dafür budgetierbare und stabile Energiekosten, ohne diese zu beziffern.
Für wen es passt
AEW richtet sich an Liegenschaftsbesitzer, die in einer Gemeinde mit bestehendem oder geplantem Wärmeverbund liegen oder einen grösseren Wärme- und Kältebedarf haben, von Mehrfamilienhäusern über Gewerbe- und Industriebetriebe bis zu ganzen Arealüberbauungen, wie das LUWA-Beispiel in Muri zeigt. Wer die eigene Heizzentrale nicht selbst planen, finanzieren, bauen und warten will, sondern Wärme als Dienstleistung mit vertraglich geregelter Lieferung will, findet hier ein Angebot mit über 30 Jahren Betriebserfahrung und einer langen Liste laufender wie geplanter Netze. Ein Nachteil aus Kundensicht: Wer ausserhalb eines bestehenden oder projektierten Perimeters wohnt, ist auf eine individuelle Prüfung durch AEW angewiesen, ein Angebot ist damit nicht überall garantiert, und ohne veröffentlichte Preisliste bleibt der tatsächliche Wärmepreis vor der persönlichen Offerte unbekannt.