Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ)

Überlandstrasse 2, 8953 Dietikon

Zum Bewerten auf einen Stern tippen

Das Impressum nennt als Betreiberin "Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ)", Hauptsitz Dreikönigstrasse 18, 8022 Zürich, UID CHE-108.954.688. Das Allocator-Feld "EKZ Energiecontracting" ist dabei kein Fehlgriff, sondern der Name, den EKZ selbst für die zuständige Stelle führt: Die Standortseite nennt separat "EKZ Energiecontracting Zentral, Überlandstrasse 2, 8953 Dietikon" mit eigener Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Als Titel wird hier die volle Firma verwendet, als Standort die für dieses Angebot zuständige Adresse in Dietikon.

Was es ist

EKZ entwickelt nach eigener Aussage in der ganzen Deutschschweiz Fernwärmelösungen und betreibt über 40 eigene Wärmeverbunde, die bereits ganze Quartiere und in einem Fall sogar eine ganze Region mit Wärme versorgen. Als Wärmequellen dienen laut Website nahe gelegene Seen, Holzschnitzelöfen oder Abwasserreinigungs- und Kehrichtverbrennungsanlagen: ökologische Quellen mit hohem Wirkungsgrad, deren Wärme entweder als Abwärme eines Arbeitsprozesses anfällt oder in einer eigenen Zentrale erzeugt wird. Wer sich anschliesst, kauft keine eigene Heizanlage: EKZ übernimmt Planung, Finanzierung, Bau und Betrieb und verkauft am Ende gelieferte Wärme.

Das Contracting-Modell in 4 Schritten

Die Website beschreibt das Angebot in 4 Phasen. Bei "Beratung und Konzept" prüft eine feste Ansprechperson die Projektidee, erstellt eine tragfähige Konzeption und begleitet den Kunden durch alle Phasen. Bei "Finanzierung" übernimmt EKZ die Infrastrukturkosten flexibel, ohne das Kapital des Kunden zu binden. Bei "Planung und Bau" garantiert EKZ die Qualität und übernimmt selbst das Risiko, indem sie Detailplanung und Bau ausführt. Bei "Betrieb und Unterhalt" sorgt EKZ langfristig für maximale Versorgungssicherheit, ohne dass der Kunde für Ersatzkosten aufkommen muss. Im Detail listet die Website: Grobkonzeption, Machbarkeitsstudien und Vorprojekt; Informieren und Involvieren der Bevölkerung; Gewinnen von Kundinnen und Kunden; Finanzierung der Infrastruktur; Übernahme der Bau- und Betriebsrisiken; Detailplanung und Bau der Versorgungsinfrastruktur; sowie langfristiger Betrieb und Optimierung der Anlage durch eigenes Fachpersonal. Als Vorteile nennt EKZ zusätzlich: regenerative Wärmeversorgung mit lokalen Energieträgern, Platzeinsparung durch nur eine zentrale Heizung, Reduktion von Emissionen, minimalen Unterhaltsaufwand bei hohem Komfort und hoher Zuverlässigkeit, Planungssicherheit durch Auslagerung sämtlicher Risiken, erweiterbare Infrastruktur und teilweise gleichzeitige Abdeckung des Kältebedarfs.

In der eigenen FAQ definiert EKZ den Begriff so: "Werden Gebäude auf verschiedenen Grundstücken durch eine zentrale Energiequelle und eine gemeinsame Verteilinfrastruktur mit Wärmeenergie versorgt, spricht man von einem Fernwärmenetz, einem Wärmeverbund oder einem thermischen Netz." Die Vorteile fasst EKZ dort zusammen: Ein Wärmeverbund sei eine effiziente und umweltfreundliche Lösung zur Wärmeversorgung, die durch zentrale Erzeugung, oft mit industrieller Abwärme oder erneuerbaren Energien, Ressourcen schone und CO2-Emissionen reduziere; die Versorgung sei zuverlässig, platzsparend und wirtschaftlich, weil keine individuellen Heizsysteme nötig seien, und angeschlossene Gebäude profitierten von stabilen Energiekosten und einer zukunftssicheren Infrastruktur.

Referenzprojekte

Die Überbauung Lagomio in Wädenswil ZH nutzt laut EKZ einen riesigen Energiespeicher: Sie heizt mit der Wärmeenergie, die im Wasser des Zürichsees gespeichert ist, für 58 Wohnungen und diverse Geschäfte, in Betrieb seit 2005, für Wärme und Kälte. In Thalwil wird Wärmeenergie aus dem Wasser der Abwasserreinigungsanlage genutzt, um das Alterszentrum "Serata" und das Alterswohnheim "Oeggisbüel" zu beheizen, ebenfalls für Wärme und Kälte, seit 2006 in Betrieb. In Visp liefert der Rücklauf eines bestehenden industriellen Fernwärmenetzes Energie an die Wohnüberbauung "Weidlösser": 6 Mehrfamilienhäuser beziehen darüber Warmwasser und Heizenergie, ebenfalls für Wärme und Kälte; ein Datum der Inbetriebnahme nennt die Seite hier nicht.

Das grösste Netz im eigenen Portfolio: Aubrugg

Das mit Abstand grösste Projekt, an dem EKZ beteiligt ist, ist das Holzheizkraftwerk Aubrugg im Autobahndreieck Zürich Nord, auf dem Gebiet der Stadt Zürich und der Gemeinde Wallisellen. Wichtig für die Einordnung: EKZ betreibt Aubrugg nicht allein. 2010 gründeten 3 Partner gemeinsam die HHKW Aubrugg AG: Entsorgung + Recycling Zürich (ERZ), EKZ und die Zürich Holz AG. Geschäftsführer ist Rüdiger Marks. Das ursprüngliche, fossil befeuerte Heizkraftwerk Aubrugg besteht bereits seit 1977; die Holzheizkraftwerk-Anlage kam 2010 dazu. Laut EKZ ist Aubrugg der grösste Wärmeverbund, an dem sie beteiligt ist, und Teil des zweitgrössten Fernwärmenetzes der Schweiz; es produziert Wärme jeweils in der Heizperiode von September bis Mai, wenn die Kehrichtverbrennungsanlage Hagenholz die Grundlast allein nicht mehr deckt.

Die technischen Eckdaten: Der Holzheizofen verbrennt im Schnitt 15 Tonnen Holz pro Stunde, die entstehende Wärme erhitzt Wasserdampf auf 500 Grad Celsius bei 80 bar Druck. Damit wird eine 11-Megawatt-Kondensationsturbine mit 10'700 Umdrehungen pro Minute angetrieben, die 40'000 Megawattstunden Strom für rund 10'000 Haushalte erzeugt. Die dabei entstehende Abwärme speist zusätzlich das Fernwärmenetz: 110'000 Megawattstunden für rund 21'000 Haushalte. Die Asche aus der Verbrennung wird als Teilersatz für Zement in der Betonherstellung verwendet. Bis im Mai 2024 hat das Kraftwerk laut eigenen Angaben über 570'000 Tonnen CO2 eingespart. Jährlich werden dafür rund 70'000 Tonnen Energieholz als Holzschnitzel angeliefert, das Brennstofflager fasst 9000 Kubikmeter und muss laufend nachgefüllt werden. Der Kanton Zürich selbst besteht laut EKZ zu 29 Prozent, oder 50'000 Hektaren, aus Waldfläche, jährlich werden im Kanton rund 403'000 Kubikmeter Holz geschlagen, bewirtschaftet von 341 Forstbesitzerinnen und Forstbesitzern.

Zu den generellen Nachteilen eines Wärmeverbunds zählt EKZ selbst: nicht überall verfügbar, Wärmeverluste bei der Verteilung, ein langfristiger Investitionshorizont mit Abhängigkeit vom Energieversorger sowie ein begrenztes Entscheidungsfenster während der Ersterschliessung eines Gebiets.

Über einzelne Netze hinaus veröffentlicht EKZ im eigenen Blue Magazin laufend Hintergrundartikel zu neuen und bestehenden Projekten, etwa "Fernwärmeprojekt in Thalwil nimmt Fahrt auf" zum weiteren Ausbau in Thalwil und "Der Bodensee ist auch eine Heizung" zu einem Wärmeprojekt am Bodensee. Das zeigt, dass sich das Geschäft nicht auf die grossen, bereits erwähnten Referenzen beschränkt, sondern laufend um neue Standorte erweitert wird, auch wenn die einzelnen Artikel hier nicht im Detail ausgewertet wurden.

Ansprechpartner

Für ein neues Wärmeverbund-Projekt nennt EKZ Tindaro Milone, Leiter Grossanlagen. Für einen bereits bestehenden Wärmeverbund ist Bernhard Koller, Leiter Asset Management, zuständig. Als weitere Berater führt die Seite Markus Lübbers, Key Account Manager Energiecontracting, sowie David Scherrer, Leiter Business Development.

Für wen es passt

Wer eine Liegenschaft, eine Überbauung oder ein ganzes Quartier in der Deutschschweiz hat und Wärme statt einer eigenen Heizanlage will, findet bei EKZ ein ausgereiftes, mit über 40 laufenden Netzen und konkreten Referenzen belegtes Angebot samt eigener Fachabteilung Energiecontracting in Dietikon. Wer im Einzugsgebiet des grössten EKZ-Netzes, Aubrugg, wohnt, profitiert von einer besonders grossen, seit Jahrzehnten gewachsenen Anlage, sollte aber wissen, dass diese von 3 Partnern gemeinsam betrieben wird, nicht von EKZ allein. Einen konkreten Preis für Anschluss oder laufenden Bezug nennt keine der besuchten Seiten, dafür aber ein klares Leistungsversprechen: kalkulierbare Kosten und ausgelagertes Risiko über die gesamte Vertragslaufzeit.

Mehr aus Wärme-Contracting und Wärmeverbünde

Alle ansehen