Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB)
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Die Seite "Impressum" auf amb.ch ist kein rechtliches Impressum, sondern ein Web-Agentur-Credit ("Design, sviluppo e coordinamento: Visiva"). Die eigentliche Firmenidentität steht unter "Chi siamo": "Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB)... AMB è un ente autonomo di diritto comunale" (ein autonomer Betrieb kommunalen Rechts). Das Allocator-Kürzel "AMB" stimmt, hier als vollständiger Name verwendet, wie ihn die Seite selbst in jedem Seitentitel führt.
Was es ist
AMB ist der Mehrspartenversorger der Stadt Bellinzona: Strom, Wasser, Telekommunikation, Abwasserreinigung und, als eigener Bereich, "Servizi energetici". Laut eigener Beschreibung ist AMB "lo strumento operativo a supporto della politica energetico-ambientale e della promozione industriale della Città di Bellinzona e di tutto il comprensorio", also das operative Werkzeug der Stadt für Energie- und Umweltpolitik sowie Industrieförderung, nicht nur für Bellinzona selbst, sondern für die ganze Region. Anders als ein privater Contractor mit Dutzenden Wärmeverbunden ist AMB in der Fernwärme noch jung: Die Website beschreibt eine erste, konkret gebaute und betriebene Anlage und daraus abgeleitete Ambitionen für weitere Netze, kein bestehendes Grossnetz.
Die Fernwärmezentrale Scuole Nord
Die Geschichte beginnt bei der Wasserversorgung: Mit der Inbetriebnahme des neuen interkommunalen Aquädukts im Rahmen des PCAI-B (Piano Cantonale d'Approvvigionamento Idrico del Bellinzonese) wurden 2018 die Grundwasserfassungen in der Zone Stadio in Bellinzona stillgelegt. Statt die technisch und wirtschaftlich wertvollen Bauwerke aufzugeben, liess AMB 2015 eine Machbarkeitsstudie erarbeiten, ob sich daraus eine Fernwärmezentrale mit Grundwasser-Wärmepumpen realisieren lässt. Ziel war, mindestens 5 nahegelegene Gebäude mit einem Verbrauch von rund 1'650'000 kWh pro Jahr zu beheizen, was etwa 160'000 Litern Heizöl im Jahr entspricht, bei einem gesamten Wärmebedarf von rund 950 kW. Als ideale Abnehmer identifizierte die Studie die Scuole Nord (einen Schulkomplex), die Clinica Dentaria, den Asilo Nord (eine Kindertagesstätte), das Stadio und die Palestra SFG, eine Turnhalle.
Seit November 2019 ist das Fernwärmenetz in Betrieb und beheizt genau diese Gebäude, mit einer laut AMB emissionsfreien Lösung: Die Wärmepumpen laufen mit Strom aus Tessiner Wasserkraftwerken, zertifiziert unter dem Label "tìacqua". Damit spart die Anlage nach eigenen Angaben 160'000 Liter Heizöl pro Jahr ein. Offiziell eingeweiht wurde sie am 6. Oktober 2020, von AMB selbst als der erste Fall im Tessin beschrieben, bei dem eine Trinkwasserfassung zu einer Wärmezentrale mit Grundwasser-Wärmepumpen umgebaut wurde.
Die technischen Eckdaten sind auf der Projektseite und im Inaugurations-Artikel identisch aufgeführt: 1 Förderbrunnen mit 2200 l/min, 2 Rückgabebrunnen mit einer Temperaturdifferenz von 4.5 °C (so im Original, mit Punkt statt Komma), eine Grundwasserfassung mit 2 normierten Kreiselpumpen von rund 1100 l/min, 2 Carrier-Wärmepumpen mit je 570 kW, eine Wärmeerzeugungstemperatur bis 70 °C, ein 12'000-Liter-Pufferspeicher für technisches Wasser, 2 Pumpengruppen mit paralleler Verteilung sowie ein 650 Meter langes Fernwärmenetz mit einer Energiedichte von 2 Megawattstunden pro Jahr und Meter.
Nach Angaben der Website haben weitere Gebäude in der Nähe des Netzes, darunter auch private, Interesse an einem Anschluss gezeigt und könnten in den kommenden Jahren angeschlossen werden. AMB selbst schreibt, man wolle die positiven Erfahrungen für weitere Fernwärme-Projekte nutzen, ohne diese bereits konkret zu benennen.
Wer den Betrieb führt
Als autonomer Betrieb kommunalen Rechts hat AMB eine eigene Führungsstruktur, die auf der Chi-siamo-Seite offengelegt wird: Capodicastero ist Mauro Minotti, dem ein Consiglio Direttivo mit Luigi Decarli, Silvia Gada, Marco Nobile, Giorgio Soldini und Henrik Bang zur Seite steht. Die operative Leitung liegt bei Direttore Mauro Suà, mit Roberto Lucchini als Vicedirettore und Paola Antonietti als Vicedirettrice. Statuto und Organigramm stehen auf der Website als Download bereit, was für einen Betrieb, der öffentliche Infrastruktur wie Wasserfassungen zu Wärmezentralen umbaut, eine gewisse Transparenz über die Entscheidungswege schafft, die ein rein privater Contractor nicht in gleicher Form offenlegt.
Beratung und Förderung rund um die Heizungssanierung
Neben dem eigenen Netz bietet AMB eine "Prima consulenza Calore rinnovabile" an, eine Erstberatung, bei der ein Fachspezialist die Liegenschaft besichtigt und gemeinsam mit dem Kunden das passende erneuerbare Heizsystem sucht. Für Privatkunden ist diese Erstberatung laut Website derzeit kostenlos, im Rahmen eines Bundesprogramms zur Erreichung der Energie- und Klimaziele. Für Geschäftskunden nennt die separate Aziende-Seite dagegen einen Preis: Die Erstberatung kostet dort zwischen CHF 350.- und CHF 500.-, mit einem kantonalen Zustupf von CHF 200.- im Tessin. Beide Angaben stammen von der Website selbst, für unterschiedliche Kundengruppen, und werden hier nebeneinandergestellt statt vereinheitlicht.
Wer eine bestehende Öl- oder Elektro-Direktheizung ersetzt, kann laut AMB kantonale Förderbeiträge beziehen, sofern eine Wärmepumpe, eine Pelletanlage mit inländischem Brennstoff oder ein Anschluss an ein Fernwärmenetz installiert wird. Der Anschluss ans eigene Fernwärmenetz ist damit eine von 3 explizit genannten förderfähigen Varianten, keine Ausnahme.
Regionale Rolle über die eigene Anlage hinaus
AMB koordiniert und unterstützt zudem das Programm "Bellinzonese Regione dell'Energia", an dem die Gemeinden Arbedo-Castione, Bellinzona, Cadenazzo, Lumino und Sant'Antonino gemeinsam arbeiten, um Energieeffizienzprojekte und die Nutzung erneuerbarer Quellen in der Region voranzutreiben. Bellinzona selbst trägt das Label "Città dell'energia" und wurde für die Periode 2024 bis 2028 zum dritten Mal rezertifiziert, nach einer ersten Zertifizierung 2011 und einer zweiten 2020; AMB hat die dafür nötigen Arbeiten koordiniert und im Zuge dessen auch die öffentliche Beleuchtung modernisiert. Nach eigener Aussage berät AMB sowohl Privatpersonen als auch Gemeinden zu elektrischen und thermischen erneuerbaren Quellen und fördert den Bau von Fernwärmenetzen und Photovoltaikanlagen, wo dies möglich ist.
Was es kostet und wie man anschliesst
Einen Tarif für die gelieferte Fernwärme selbst nennt die Website nicht, nur die Beratungspreise oben. Ein direktes Anschlussformular für das Scuole-Nord-Netz oder eine Liste weiterer Anschlussgemeinden, wie sie ein grösserer Contractor führt, findet sich auf diesen Seiten nicht: Interessenten werden auf die Beratung und den allgemeinen Kontakt verwiesen (Piazza del Sole 5, 6500 Bellinzona, Telefon 091 850 49 00, infocentro@amb.ch, Schalter Montag bis Freitag 9.00 bis 12.30 und 13.30 bis 17.30 Uhr, Samstag 8.30 bis 12.30 Uhr).
Für wen es passt
Für die bereits angeschlossenen öffentlichen Gebäude in Bellinzona ist AMB schon heute ein Wärme-Contractor im vollen Sinn: Die Stadt hat die alte Fassung nicht abgerissen, sondern über AMB zu einer Wärmequelle umgebaut, finanziert, gebaut und betrieben. Für private Liegenschaftsbesitzer in der Nähe dieses Netzes oder in einer der bei Regione dell'Energia genannten Gemeinden ist AMB der richtige erste Kontakt, wenn ein Anschluss oder eine unabhängige Erstberatung zur Heizungssanierung gesucht wird. Wer ausserhalb der bestehenden Anlage nach einem grossen, bereits ausgebauten Fernwärmenetz sucht, wie es andere Energieversorger in dieser Kategorie betreiben, muss sich bei AMB derzeit auf ein einzelnes Pilotprojekt und dessen angekündigte Nachfolger verlassen, nicht auf ein bereits verzweigtes Verbundnetz.