Thermoréseau Porrentruy
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Namenskorrektur: Das Allocator-Feld nannte nur "Thermoréseau". Die Mentions légales (https://thermoreseau.ch/mentions-legales/) nennen als "Nom" des "Éditeur du site" ausdrücklich "Thermoréseau Porrentruy", ohne Rechtsformzusatz und ohne UID-Nummer. Die Historique-Seite spricht dagegen von einer "société anonyme parapublique", also einer teiöffentlichen Aktiengesellschaft, nennt aber selbst keine SA-Firmierung. Übernommen wird der Name aus den Mentions légales, weil sie die einzige Seite sind, die sich ausdrücklich als Impressum-Äquivalent ausweist.
Was es ist
Thermoréseau Porrentruy ist die Betreiberin des holzbefeuerten Fernwärmenetzes der Stadt Porrentruy im Kanton Jura. Gegründet wurde die Firma 1999 als teiöffentliche Aktiengesellschaft, um ein Fernwärmenetz auf Basis von Energieholz aufzubauen. Aktionärinnen sind die Schwestergesellschaft Thermobois SA, die Munizipalität von Porrentruy, die Republik und der Kanton Jura, die kantonale Gebäudeversicherung ECA Jura sowie die Commune mixte de Fontenais. Das gesamte Personal ist bei Thermobois SA angestellt und wird Thermoréseau zur Verfügung gestellt, ein einziger Direktor führt beide Firmen. Auf diese Weise sind laut eigenen Angaben 18 Vollzeitstellen zwischen Verwaltung und Technik verteilt. Wer hier anschliesst, kauft keine Heizanlage: Thermoréseau finanziert, baut und betreibt die Heizzentralen und das Leitungsnetz selbst und verkauft dem Kunden die gelieferte Kilowattstunde Wärme.
Was das Contracting-Modell ausmacht
Die Kostenverantwortung ist auf der eigenen FAQ-Seite klar getrennt. Bei einer Störung zahlt der Wärmelieferant Thermoréseau jeden Eingriff auf der Primärseite der Anlage: Das umfasst die eigenen Leitungen des Fernwärmenetzes, das primäre Zweiwegeventil, den Filter, den Wärmezähler und den Wärmetauscher. Erst auf der Sekundärseite, im Haus des Kunden, beginnt dessen eigene Verantwortung. Die jährlichen Kosten für einen angeschlossenen Kunden bestehen laut FAQ aus 2 Teilen: einem fixen Abonnement, das unabhängig vom Verbrauch ist, und den eigentlichen Energiekosten, die vom Verbrauch des Gebäudes abhängen. Einen konkreten Rappenpreis pro Kilowattstunde nennt die Seite nicht, ein Anschlussangebot wird auf Anfrage individuell erstellt und informiert laut eigener Aussage transparent über diese Kostenkomponenten. Das ist die Grundstruktur eines Contracting-Geschäfts: Der Gebäudeeigentümer zahlt für gelieferte Wärme über einen Liefervertrag, nicht für den Bau und Unterhalt einer eigenen Anlage.
Was man beim Anschluss bekommt
Interessenten sollen laut FAQ zuerst Thermoréseau kontaktieren, die Adresse des Gebäudes angeben und den durchschnittlichen Energieverbrauch nennen, idealerweise für die letzten 3 Jahre. Der Anschlusspreis selbst ist variabel und hängt von der benötigten Leistung und den technischen Gegebenheiten ab, weshalb die Firma auf Anfrage einen Kostenvoranschlag erstellt. Im Leistungsumfang eines Anschlusses sind laut derselben FAQ-Seite enthalten: der hydraulische Anschluss an die Hauptleitung, die Verlegung der Fernwärmeleitung bis zur künftigen Unterstation samt Tiefbauarbeiten und Wiederherstellung von Belag, Mauerwerk und Umgebung, die Demontage und Entsorgung der alten Wärmeerzeugung (Kessel und Brenner), der Rückkauf des restlichen Heizöls, wobei Pump- und Transferkosten vom Ölwert abgezogen werden, die Ausserbetriebnahme des Öltanks durch Entgasung (der Ausbau selbst ist optional), die Lieferung und Montage der Unterstation mit Heizgruppe und einer Gruppe für die Warmwasseraufbereitung inklusive Regelung, neuer Pumpen und neuer Ventile, der Anschluss ans Sekundärnetz und die Anpassung der bestehenden Rohrleitungen, dazu die Lieferung und Montage eines 300-Liter-Warmwasserspeichers und eines 35-Liter-Ausdehnungsgefässes samt Entsorgung der alten Geräte, sowie der elektrische Anschluss auf der Primärseite der Unterstation, für den eine 380-Volt-Zuleitung vorhanden sein muss. Die Unterstation ist laut eigener Aussage so modular ausgelegt, dass sie auch die Warmwasseraufbereitung übernehmen kann.
Wie das Netz organisiert ist
Im Netz sind 2 Heizzentralen im Einsatz, die dasselbe Leitungsnetz speisen, vergleichbar laut eigener Aussage mit einer Trinkwasserversorgung aus mehreren Quellen. Läuft im tiefsten Winter die neue Zentrale "Sur Roche de Mars" gemeinsam mit der Zentrale "Bellevue", trennt sich das Netz faktisch: Gebäude im Süden und Osten werden eher von der neuen Zentrale versorgt, jene im Norden und Westen eher von Bellevue. Das Netz fährt im Winter mit einer Vorlauftemperatur von 90 bis 95 Grad und einer Rücklauftemperatur von 48 bis 53 Grad, im Sommer mit 75 Grad Vorlauf und 55 Grad Rücklauf. Die Leitungen sind vorisoliert und mindestens 80 Zentimeter tief, unterhalb der Frostgrenze, verlegt. Der Wärmeverlust liegt laut eigener Angabe bei rund 0,5 Grad pro Kilometer Leitung, sodass der Temperaturabfall zwischen Zentrale und dem entferntesten Punkt des Netzes nie mehr als 3 Grad beträgt.
Woher das Holz kommt
Das eingesetzte Energieholz stammt zu 90 Prozent aus jurassischen Wäldern, davon 70 Prozent aus der Ajoie, 20 Prozent aus der Vallée und 10 Prozent aus den Franches-Montagnes, sowie zu 5 Prozent aus Wäldern des Berner Jura. Der Rest kommt aus der jurassischen Holzindustrie, etwa aus Sägewerken oder Altholz. Der durchschnittliche Beschaffungsradius liegt bei rund 17 Kilometern. Das gesamte Energieholzpotenzial des Kantons Jura schätzt die Firma auf 250'000 Kubikmeter Schnitzel, wovon nach internen Schätzungen aktuell nur 180'000 bis 200'000 Kubikmeter genutzt werden. Mit der neuen Zentrale Roche de Mars sollen künftig rund 50'000 Kubikmeter zusätzlich pro Jahr verwertet werden, was den ausgeschöpften Anteil auf 75 Prozent des Potenzials brächte. Würde auch ein Teil des Industrieholzes einbezogen, könnte das Potenzial laut eigener Schätzung bis zu 350'000 Kubikmeter Schnitzel im Jahr erreichen. Das Schweizer Waldgesetz beschreibt die Firma auf ihrer FAQ-Seite als eines der strengsten weltweit: Es erlaube keinen Holzeinschlag über den natürlichen jährlichen Zuwachs hinaus, und Energieholz sei zudem stets ein Nebenprodukt der Nutzholzproduktion. Um einen Kubikmeter Holzschnitzel mit einem Energiegehalt von 750 Kilowattstunden herzustellen, braucht es laut eigener Rechnung 0,8 Liter Diesel, entsprechend 800 Kilowattstunden; daraus errechnet die Firma einen Anteil grauer Energie von rund 1,1 Prozent. Zählt man den Transport zur Heizzentrale (im Schnitt 17 Kilometer) sowie die Zwischenlagerung unter Dach zur Trocknung der Schnitzel dazu, kommen weitere 0.6 und 0.2 Liter Heizöl-Äquivalent hinzu (so im Quelltext, mit Punkt statt Komma), sodass der Anteil grauer Energie insgesamt zwischen 1,1 und 1,5 Prozent liegt.
Zahlen, die sich widersprechen
Die Startseite zeigt Kennzahlen über ein Zähler-Widget, dessen tatsächliche Werte im
HTML-Attribut data-count-to stehen (im sichtbaren Text erscheinen sie zunächst als "0",
weil ein Skript sie erst beim Scrollen hochzählt): 600 angeschlossene Gebäude, 55
Gigawattstunden gelieferte Wärme pro Jahr, 13'200 Tonnen CO2-Reduktion pro Jahr, 90'000
Kubikmeter verwendetes Holz, 2'500 mit Strom versorgte Haushalte und 27 Kilometer
Netzlänge. Die Firmengeschichte-Seite weicht bei 2 dieser Grössen ab: Dort ist von einer
1.3-MW-Turbine die Rede, die Strom für "environ 2'200 ménages" liefert, rund 2'200
Haushalte statt der 2'500 auf der Startseite, und das Netz misst dort "26 km", also 26
Kilometer statt der 27 auf der Startseite. Die Firmengeschichte-Seite selbst gibt zudem an,
dass jährlich mehr als 5 Millionen Liter Heizöl durch Energieholz ersetzt werden, an
gleicher Stelle mit 600 Anschlüssen und 18 Vollzeitstellen. Die FAQ-Seite widerspricht sich
dazu zusätzlich selbst: Eine Antwort zur Frage, wie viel Holz verbrannt wird,
nennt einen Jahresverbrauch von rund 90'000 Kubikmeter Schnitzel für Wärme und Strom
zusammen, was zum Startseiten-Zähler passt. Die unmittelbar folgende Antwort zur Frage,
wie viel Heizöl jährlich ersetzt wird, nennt für dieselbe Grösse jedoch nur rund 45'000
Kubikmeter Schnitzel, entsprechend rund 3,5 Millionen Litern Heizöl im Jahr, was weder zum
90'000-Kubikmeter-Wert der vorherigen Antwort noch zu den mehr als 5 Millionen Litern auf
der Firmengeschichte-Seite passt. Diese widersprechenden Werte werden hier benannt, nicht
aufgelöst, sie stammen alle von der Firma selbst.
Wer sich eignet
Angesprochen sind Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer in Porrentruy und im Nachbardorf Fontenais, innerhalb der Versorgungszone des Netzes. Ob ein konkretes Gebäude im Einzugsgebiet liegt, lässt sich laut eigener Aussage über eine interaktive Karte auf der Seite prüfen; deren Karteninhalt selbst war über den reinen Text nicht auslesbar und wird hier nicht behauptet. Für Bestandsbauten mit alter Öl- oder Gasheizung, die ohnehin in der Netzzone liegen, ersetzt der Anschluss die komplette Heizungssanierung durch einen Liefervertrag samt Rückbau der alten Anlage. Wessen Gebäude ausserhalb der Netzzone liegt, findet hier keine Lösung: Thermoréseau baut kein neues Netz für Einzelanschlüsse ausserhalb der bestehenden Zone, sondern erweitert schrittweise entlang der geplanten Netzausbauten.
Fazit
Thermoréseau Porrentruy ist ein klarer Fall von Wärme-Contracting, keine Installationsfirma mit Verkaufsprospekt: Die Firma trägt selbst vor, wer im Störungsfall welchen Teil der Anlage bezahlt, und die Rechnung für den Kunden setzt sich aus einem festen Abonnement und einem verbrauchsabhängigen Energiepreis zusammen, nicht aus einer Investitionssumme fürs eigene Haus. Die Herkunft und Reichweite des eingesetzten Energieholzes ist ungewöhnlich genau dokumentiert, von der Waldregion bis zur grauen Energie der Schnitzelproduktion. Der Wermutstropfen liegt in der Zahlenpflege der eigenen Website: Netzlänge, Anzahl versorgter Haushalte und jährlich ersetzte Heizölmenge werden an verschiedenen Stellen unterschiedlich beziffert, ohne dass eine Version als aktuell gekennzeichnet wäre. Wer anschliessen will, sollte sich für den eigenen Fall eine schriftliche Offerte geben lassen, statt sich auf eine der Zahlen von der Startseite zu verlassen.