Viteos SA
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Auf der Website findet sich keine Firma "Viteos Pibomulti SA", wie sie dem Eintrag ursprünglich zugrunde lag. In der eigenen Datenschutzerklärung nennt sich das Unternehmen ausdrücklich "Viteos SA", mit Sitz an der Quai Max-Petitpierre 4, 2000 Neuchâtel; unter den dort aufgeführten Tochtergesellschaften (Viteos Solutions, Swiss-Green, Betelec, Façades Techniques SA, EMG) taucht "Pibomulti" an keiner Stelle auf. Der Name wird deshalb auf "Viteos SA" korrigiert. Der im Auftrag genannte Standort La Chaux-de-Fonds ist trotzdem zutreffend: Viteos betreibt dort direkt ein eigenes Fernwärmenetz, auch wenn der eingetragene Hauptsitz in Neuchâtel liegt; nach eigenen Angaben empfängt das Unternehmen Kundschaft "dans nos agences de Neuchâtel, de La Chaux-de-Fonds et du Locle".
Was es ist
Viteos ist die kantonale Energie- und Wasserversorgerin von Neuenburg und bezeichnet sich selbst als "référence neuchâteloise de la transition énergétique". Sie beliefert nach eigener Angabe mehr als 100'000 Kundinnen und Kunden im Kanton mit Wasser, Strom, Gas sowie Fernwärme und Fernkälte und begleitet daneben den Ausbau intelligenter Netze. 2023 hat der Verwaltungsrat einen 10-jährigen Finanzplan über 650 Millionen Franken für den Ausbau der Infrastruktur verabschiedet. Innerhalb dieses breiten Angebots ist "Chauffage à distance" (Fernwärme) ein eigenständiges Geschäftsfeld, getrennt geführt von den "solutions de chauffage individuel" wie Wärmepumpe, Pelletheizung oder Warmwasser-Wärmepumpe, die Viteos ebenfalls verkauft und installiert, dort aber als Gerät, das der Kundschaft gehört, nicht als gelieferte Wärme.
Wärme statt Maschine
Beim Fernwärmeanschluss kauft die Kundschaft keine Heizanlage, sondern bezogene Wärme: "ce système est fiable, compacte et ne nécessite aucune intervention de votre part en termes de maintenance". Eine zentrale Erzeugungsanlage speist die Wärme über gedämmte, im Boden verlegte Leitungen ins Netz ein; am Gebäudeeingang übergibt ein Wärmetauscher die Energie an die Liegenschaft, das abgekühlte Wasser fliesst über eine separate Leitung zur erneuten Erwärmung zurück zur Zentrale. Der alte Heizkessel entfällt zugunsten der kompakten Übergabestation, was laut Website Platz schafft und Aufwand für Kaminfeger, Brennstofflagerung und -bewirtschaftung erspart. Für Versorgungssicherheit sorgen "centrales d'appoint", die bei Wartungsarbeiten oder Verbrauchsspitzen einspringen, ergänzt durch einen eigenen 24-Stunden-Störungsdienst für Netz und Anlagen. Dasselbe Netz liefert im Sommer auch Kälte ("froid à distance", FAD): Es nutzt natürliche Kältequellen wie Seen, Flüsse oder Grundwasser zur Gebäudekühlung.
Wie es organisiert ist
Direkt betreibt Viteos laut eigener Tarifübersicht die Fernwärmenetze in La Chaux-de-Fonds, Le Locle sowie in Neuenburg selbst, dort unter den Namen CADEM und Mail-Maladière & Terreaux, die auf der Tarifseite als getrennte Positionen mit je eigener Tarifhistorie geführt werden. Daneben ist Viteos "l'une des actionnaires principales" (eine der Hauptaktionärinnen), nicht Alleinbetreiberin, weiterer Netzgesellschaften: Bérocad versorgt Gorgier und St-Aubin, Vivaldis bedient Cernier und Fontainemelon, und die Chauffage à distance Basse-Areuse (Cadbar) beheizt Milvignes, Boudry und Cortaillod. Wer über einen dieser Standorte eine Anfrage stellt, hat es also faktisch mit der jeweiligen Netzgesellschaft zu tun, auch wenn Viteos die Information dazu über die eigene Website bündelt und als eine der Hauptaktionärinnen an ihrem Ergebnis mitbeteiligt bleibt. Zusätzlich hält Viteos eine Beteiligung an Agriteos, deren Biogasanlage aus landwirtschaftlichen Substraten und Grüngut in La Chaux-de-Fonds entstehen sollte, mit Baubeginn laut Website ursprünglich 2024 geplant; das ist ein separates Projekt zur Energieerzeugung, keine Erweiterung des Fernwärmenetzes selbst. 2026 feiert Viteos zudem "100 ans de chaleur partagée", das Jubiläum ihres Fernwärmenetzes, mit einem Programm aus Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen über das Jahr verteilt.
Was es kostet
Eine konkrete Franken-pro-Kilowattstunde-Zahl nennt die besuchte Website nicht im Fliesstext, wohl aber die Struktur der Abrechnung: Der Fernwärmepreis setzt sich laut Viteos aus fixen Finanz- und Betriebskosten sowie variablen Kosten für die zur Wärmeerzeugung nötigen Einsatzstoffe zusammen, wobei die variablen Kosten von der Entwicklung der eigenen Beschaffungskosten abhängen. Für Interessierte an einem gewerblichen Anschluss führt Viteos zusätzlich eigene Tarifblätter unter dem Titel "Contracting chauffage à distance et liste des frais administratifs", getrennt von den regulären Gebietstarifen für Private, mit separat ausgewiesenen Verwaltungsgebühren für Mehrenergie-Anschlüsse. Die Detailtarife selbst liegen als Dokumente vor, die über diese Übersicht nicht als Text lesbar waren, weshalb hier keine einzelne Franken-Zahl daraus übernommen wird.
Wer sonst am Standort tätig ist
Neben dem Fernwärmegeschäft hält Viteos eine Reihe von Tochterfirmen, die mit gelieferter Wärme nichts zu tun haben: Viteos Solutions übernimmt Elektroinstallationen in Industrie-, Gewerbe- und Wohnbauten sowie den Verkauf von Wärmepumpen und Pelletanlagen als Gerät; Swiss-Green verkauft und plant Photovoltaik- und Speicheranlagen; Betelec ist auf Elektroplanung und -engineering spezialisiert und unterhält 5 Niederlassungen in der Romandie; Façades Techniques SA baut hinterlüftete Fassaden; EMG liefert Industrieelektrik und Automatisierungslösungen, unter anderem für die Wasseraufbereitung. Keine dieser Gesellschaften verkauft gelieferte Wärme, weshalb ihre Zahlen und Leistungen hier bewusst aussen vor bleiben.
Wie eine Anfrage abläuft
Für die eigene Adresse verweist Viteos zunächst auf eine interaktive Karte, mit der sich prüfen lässt, ob eine Liegenschaft bereits ans Netz angeschlossen oder für einen künftigen Ausbau vorgesehen ist ("Vérifiez la disponibilité du chauffage à distance près de chez vous"). Für konkrete Zahlen verweist die Fernwärmeseite weiter auf ein eigenes Datenblatt ("Fiche produit") und die separate Tarifseite, bevor eine Anfrage über das Kontaktformular nötig wird. Wer den Anschluss als Gewerbe- oder Industriekundschaft sucht, findet dort zusätzlich zu den Gebietstarifen die eigens ausgewiesenen "frais administratifs multiénergies", eine Verwaltungsgebühr, die neben dem eigentlichen Fernwärmepreis separat abgerechnet wird. Für den Kanton stehen zudem kantonale Förderprogramme wie das Programme Bâtiments oder "Francs Énergie" offen, auf die die Fernwärmeseite selbst verweist, ohne einen Betrag zu nennen, den Viteos daraus für Fernwärme-Anschlüsse selbst zusichert.
Nachbarprojekte, die keine Fernwärme sind
Weitere laufende Vorhaben tauchen auf derselben Startseite auf und gehören trotzdem nicht zum Fernwärmegeschäft: Bei der Kläranlage Neuenburg baut Viteos zusammen mit der Stadt Neuenburg die bestehende Abwasserreinigungsanlage zu einem Energiegewinnungszentrum um, mit Photovoltaik, einer Wärmepumpe und einer Verwertung des anfallenden Biogases; Ziel ist laut Website eine feinere Abwasserreinigung und tiefere CO2-Emissionen, nicht die Einspeisung von Wärme in ein bestehendes Fernwärmenetz. Und bei Agriteos entsteht eine Biogasanlage aus landwirtschaftlichen Substraten und Grüngut in La Chaux-de-Fonds, an der Viteos ebenfalls beteiligt ist, aber auch das ist eine Erzeugungsanlage für Biogas, keine Erweiterung des Fernwärmenetzes selbst. Beide Projekte zeigen, wie breit Viteos in Energieinfrastruktur investiert, gehören aber nicht zur hier beschriebenen Fernwärme-Dienstleistung.
Für wen es passt
Wer eine Liegenschaft in La Chaux-de-Fonds, Le Locle oder im Zentrum von Neuenburg besitzt oder plant, findet mit Viteos eine Anbieterin, die das eigene Fernwärmenetz direkt betreibt, inklusive eigenem Not- und Störungsdienst rund um die Uhr. Wer stattdessen in Gorgier, St-Aubin, Cernier, Fontainemelon, Milvignes, Boudry oder Cortaillod liegt, bekommt über Viteos zwar die Erstinformation, landet operativ aber bei Bérocad, Vivaldis oder Cadbar; das lohnt sich, vorher zu klären. Interessant ist der Anschluss besonders für alle, die Heizkessel, Kaminreinigung und Brennstoffbewirtschaftung loswerden wollen und im Sommer zusätzlich eine Kühloption über dasselbe Netz suchen. Wer eine eigene Anlage bevorzugt, findet bei derselben Firma auch Wärmepumpen und Pelletheizungen als klassischen Gerätekauf, aber das ist ein anderes Angebot als der hier beschriebene Fernwärmeanschluss.